Besuchen in Coronazeiten

"Seelsorge ist die Muttersprache der Kirche" sagt Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs. Es gibt viele Gründe, sich gerade in diesen Zeiten darauf zu besinnen. Dabei deckt Seelsorge ein breites Spektrum von Möglichkeiten ab.

Einfach mal so einen Besuch bei jemandem zu Hause machen, das geht in diesen Zeiten leider nicht. Auch Seelsorger*innen und Besuchende haben eine große Verantwortung beim Schutz vor gegenseitiger Ansteckung mit dem Coronavirus.

Dennoch ist es gerade jetzt wichtig, sich umso mehr Gedanken zu machen, wie Kirchengemeinden - dort vor allem Seelsorger*innen und Besuchsdienstmitarbeitende - ihrem wichtigen Dienst nachgehen können. Denn wann haben die Menschen isolierter gelebt als jetzt? Wann war es nötiger, Kontakte zu halten, gerade Alleinlebenden zu signalisieren: Wir denken an euch.

Weil ein "Besuch einfach mal so" nicht möglich ist, kommen Alternativen ins Spiel, die vor der Pandemie nicht so viel Beachtung fanden. Und so wie ein Besuch etwas ganz Besonderes, etwas sehr Persönliches, sehr Individuelles ist, sollten auch alternative Formate darauf Wert legen. Der Adressat/die Adressatin soll spüren: Hier bin ich persönlich gemeint. Eine Karte mit einem individuellen Gruß, ein Telefonat, wo möglich eine kurze Videoschalte - in jedem Falle spürt der/die Angesprochene, dass es in diesem Moment ganz um ihn/sie geht.

Natürlich gibt es Bereiche der persönlichen Seelsorge, da stoßen solche Möglichkeiten an ihre Grenzen. Der Besuch bei einem dementen, schwerkranken, gar sterbenden Menschen lässt sich nicht durch eine Karte oder ein Telefonat ersetzen. Zu wichtig sind hier persöliche Begegnung, Nähe, auch Berührung. In diesem Falle müssen Seelsorger*innen sehr gründlich abwägen, was geht. Wenn möglich sollte Kontakt über Angehörige bzw. Klinik- und Betreuungspersonal aufgeommen werden. Rechtlich gesehen gibt es hier - nach den teilweise erschütternden Erfahrungen des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 - jetzt deutlich sicherere Rahmenbedingungen. Hinweise dazu finden sich auf der Internetseite der EKM.

Menschen in Einsamkeit, in seelischer oder physischer Not brauchen uns als Christ*innen in diesen Zeiten ganz besonders. Achten wir darauf, dass wir dieser Verantwortung so weit wie möglich gerecht werden.

 

Hinweis auf die Kirchenzeitung "Glaube und Heimat"

Besuch von der stellvertretenden Angehörigen - ein Interview zum Thema mit Klinikseelsorgerin Babet Lehmann