Exnovation – Die Kunst loszulassen, damit Neues wachsen kann

Als Referent für Erprobungsräume & Gemeindedienst der EKM widmet sich Thomas Meyer einem oft übersehenen Teil kirchlicher Erneuerung: dem bewussten Gestalten von Abschieden.  

Exnovation versteht Abschied nicht als Verlust, sondern als Befreiung – als Raumgewinn für lebendige Gemeinschaft und für das, was vor Ort wirklich trägt.

Viele Gemeinden spüren: Wir können nicht einfach „mehr tun“, sondern müssen mutig „anders handeln“. Exnovation hilft dabei, Strukturen kritisch zu prüfen, Überlastung abzubauen und neue Eigenwirksamkeit zu gewinnen.

Exnovation bedeutet, dass wir bewusst loslassen, was keine Zukunft mehr hat – nicht aus Schwäche, sondern aus geistlicher Klarheit. In vielen Gemeinden spüren wir: Wir halten an Strukturen fest, die längst keine Resonanzräume mehr sind. Wir pflegen Formen, die uns früher getragen haben, aber heute kaum noch Menschen erreichen. Gleichzeitig wächst der Druck, alles sichern, erhalten und möglichst vereinheitlichen zu müssen.

Exnovation eröffnet einen anderen Weg:
Raum schaffen, indem wir mutig etwas beenden.
Nicht aus Resignation, sondern aus Lust auf Leben.

Wir stecken in einem Dilemma, das an die Opferung Isaaks erinnert. Abraham stand zwischen zwei vermeintlich falschen Wegen. Auch wir ringen: Da ist der landeskirchliche Weg der Fusion, Angleichung und Zentralisierung, um im Großen stabil zu bleiben. Und da ist der Weg der unaufgebbaren Selbstverantwortung vor Ort, der nach Freiheit ruft, aber oft in der Erschöpfung endet. Beides fühlt sich häufig nach einer Entscheidung zwischen Baum und Borke an.

Doch die Geschichte Abrahams lehrt uns: Die eigentliche Entscheidung trifft Gott – aber erst in dem Moment, in dem wir bereit sind, das Liebste loszulassen.

Ich stelle Gemeinden in diesem Prozess unbequeme, aber heilsame Fragen:

  • Wie lange müssen wir noch durchhalten, obwohl wir längst überdehnt sind?
  • Wo wird Gleichbehandlung zur Bevormundung, weil unterschiedliche Realitäten vereinheitlicht werden?
  • Wie wenig Geld muss es werden, bis wir ehrlich aussprechen, dass wir mancherorts Wochenendhäuser unterhalten, die leer stehen?
  • Wie klein muss eine Gemeinde sein, um sich in eine Region aufzulösen?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt, um die Zukunft selbst zu gestalten?
  • Wann wagen wir es, mehr in Menschen zu investieren als in Steine, Traditionen und Routinen?
  • Wie oft müssen wir noch fusionieren, bis wir eine Struktur erreichen, in der das Reich Gottes seine Fülle ausstrahlt?
  • Wann hören wir auf, aus Mangel die Wenigen zu überfordern, und fangen an, mehr in die Menschen zu investieren, die sich außerhalb unserer Steine und Tradition ein Leben eingerichtet haben?

Das sind nur einige Fragen, um die Lücke zu entdecken, in die uns Gott ruft.
Sie sind Einladungen:
Zum Nachdenken. Zum Sortieren. Zum Neuanfang.

Exnovation ist kein Konzept, kein Systempapier und keine Handreichung mit fertigen Antworten.
Es ist eine Bewegung:

  • Loslassen, was nicht mehr trägt.
  • Weglassen, was uns bindet.
  • Freilassen, weil Gott Neues wachsen lassen möchte.

Ich begleite Gemeinden dabei, diesen Weg behutsam und verantwortungsvoll zu gehen – durch Workshops, Gespräche, Prozessbegleitung und Impulse vor Ort. Der Schlüssel liegt fast immer in derselben Grundfrage:

Was passt heute noch zu uns – und was halten wir nur fest, weil wir es schon immer so gemacht haben?

Wer loslässt, gewinnt Freiheit.
Wer Freiheit gewinnt, schafft Raum für gemeinschaftliches Leben.
Wer Raum schafft, gibt Gott die Möglichkeit, Neues zu beginnen.

Lassen Sie uns darüber streiten, was wir mit tiefem Glauben loslassen können, mit großer Gelassenheit weglassen und mit viel Freude freilassen, damit Gott in Jesus immer wieder neu sichtbar wird, wenn der Geist weht, wo er will.

Laden Sie mich ein zu einem erfrischenden Austausch über die vielen Möglichkeiten, die sich mit den Worten der Jahreslosung auftun:

„Siehe, ich mache alles neu.“
Wo will er bei Ihnen etwas neu machen?
Heute. Jetzt.

Ich freue mich auf den fragenden Austausch!

Ihr
Thomas Meyer